Borussia Dortmund hat nach dem Transfer von Henrikh Mkhitaryan die „wesentlichen Transferaktivitäten“ dieses Sommers abgeschlossen. Doch sind drei Spieler genug, um den Kader in Breite und Qualität besser aufzustellen?  

25 Punkte Rückstand, ein verlorenes Champions-League-Finale, Aus im DFB-Pokal und der Abgang Mario Götzes: Der FC Bayern hat Borussia Dortmund in der letzten Saison die Grenzen aufgezeigt. Die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben führten die Niederlagen vor allem auf die fehlende Breite innerhalb des Kaders zurück.

Oft fehlte neben den glanzvollen Auftritten in der Königsklasse die nötige Kraft, den Münchnern im Tagesgeschäft Bundesliga Paroli bieten zu können. Bereits im März kündigte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im „Doppelpass“ daher an, „die Spitze und die Breite etwas voluminöser aufzustellen.“

Dabei soll trotz intensiver Investition das Credo des BVB nicht auf der Strecke bleiben. „Wir versuchen, junge Spieler mit Potenzial zu holen und diese Spieler weiterzuentwickeln. Das ist unser Modell, ein anderes haben wir nicht.“

Positive Aspekte der Transfers: Mit den Offensivzugängen Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan wird der Angriff des BVB unheimlich flexibel. Beide können mehrere Positionen bekleiden, immer wieder wird Coach Jürgen Klopp die Möglichkeiten haben, seine Gegner vor Probleme zu stellen. Aubameyang ist auf beiden Außenpositionen im Mittelfeld einsetzbar, auch in vorderster Front ist er aufgrund seiner Schnelligkeit extrem gefährlich.

Mkhitaryan spielt meist in der Zentrale, durch seine Torgefahr könnte der Armenier auch als hängende Spitze agieren. „Unglaublich beweglich, ein ganz geschmeidiger Spieler“, erklärt Klopp gegenüber „Sport1“. „Er muss wenige Zweikämpfe in der Offensive führen, weil er sich gut bewegt, ist extrem torgefährlich und hat immer Zug zum Tor. Er hat in Länderspielen bewiesen, dass er für den nächsten Schritt bereit ist.“

Der BVB greift mit 50 Millionen Euro tief in die Tasche, bleibt sich seiner Philosophie aber treu. Beide Spieler sind noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt und können durch die Expertise der sportlichen Führung weiter reifen.

Doch wie lange werden Aubameyang und Mkhitaryan brauchen, um sich an das intensive Spiel der Dortmunder zu gewöhnen? Die heutigen Stützen Ilkay Gündogan oder Robert Lewandowski benötigten fast ein Jahr, um das System Klopps zu verinnerlichen.

Gibt es negative Aspekte?: Sicher – die nackte Zahl der Gegentore in der letzten Spielzeit kann nicht an der Viererkette allein festgemacht werden. Vielmehr ist die ganze Mannschaft dafür zuständig, nach Ballverlust nachzusetzen und Gegenstöße des Gegners zu verhindern. Die Abwehr badet die Fehler der Vordermänner oft nur aus.

Doch trotzdem scheint die Hintermannschaft der Dortmunder etwas zu spärlich besetzt. Felipe Santana hat den Verein in Richtung FC Schalke 04 verlassen, seine Einsatzzeiten waren ihm in Hinblick auf eine mögliche Nominierung für die Weltmeisterschaft im eigenen Land zu gering.

Als Ersatz wurde Sokratis verpflichtet. Der Grieche kann sowohl in der Abwehrzentrale, als auch auf der rechten Außenverteidigerposition agieren. Lukasz Piszczek fällt ein halbes Jahr aus, zusammen mit Kevin Großkreutz wird Sokratis wohl um den Platz des Polen streiten.

Ein seit Jahren köchelndes Problem bleibt aber bestehen: Auf einen hochwertigen Backup für Marcel Schmelzer verzichtet der BVB noch immer. Verletzt sich der Nationalspieler, ist Jürgen Klopps Improvisationstalent gefragt – und das könnte bei drei Wettbewerben fatale Folgen haben.

Autor: Sebastian Schramm

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