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Der japanische Journalist und Fußball-Trainer mit DFB A-Lizenz, Kichinosuke Nakano, spricht im Interview mit Comunioblog über die Chancen Japans bei der WM, über die vielen Bundesliga-Legionäre und den mysteriösen Trainerwechsel.

Comunioblog: Kichinosuke Nakano, wie stehen die Chancen für Japan in der Gruppe mit Polen, Senegal und Kolumbien?

Kichinosuke Nakano: Es wird sehr schwer. Die Gruppe ist insgesamt recht ausgeglichen ohne wirklichen Hochkaräter. Kolumbien hat großes Potenzial, Polen natürlich mit Lewandowski und auch der Senegal ist eine physisch starke Mannschaft. Japan sehe ich ein bisschen als Außenseiter. Nur wenn sie das Maximale abrufen, werden sie weiterkommen. 

Comunioblog: Wo liegen die Stärken und Schwächen?

Nakano: Das Kombinationsspiel ist die klare Stärke der Mannschaft, auf engen Räumen finden die Spieler gute Lösungen, der Spielaufbau ist auf hohem Niveau und weil die meisten Japaner in Europa spielen, sind sie auch athletisch fit. Eine große Schwäche ist, dass ein richtiger Torjäger fehlt. Bis zum Strafraum wird meist sehr gut kombiniert, dann fehlt der zwingende Abschluss. Kölns Yuya Osako ist ja praktisch im Sturmzentrum gesetzt. Und dass er kein wirklicher Vollstrecker ist, weiß man ja aus der Bundesliga. Probleme gibt es außerdem bei Standardsituationen: Da kassiert Japan immer wieder Gegentore.

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Comunioblog: Wer ist der Star des Teams?

Nakano: Es sind sehr viele erfahrene Spieler im Kader, die das Spiel beruhigen können. Viele waren schon 2014 in Brasilien dabei. Die prominentesten Namen sind natürlich Shinji Kagawa und Keisuke Honda. Aber auch sie können sich, je nach Gegner, nicht immer sicher sein, in der Startelf zu stehen.

Comunioblog: Gerade Shinji Kagawa und der Ex-Mainzer Shinji Okazaki wurden seit Oktober fast gar nicht mehr berücksichtigt. Was war der Grund?

Nakano: Beide hatten einerseits mit Verletzungen zu kämpfen, anderseits wollte man auch den Konkurrenzkampf verschärfen und setze auf körperlich robustere Spieler.

Comunioblog: Welchen Stellenwert haben die vielen Bundesliga-Legionäre bei Japan?

Nakano: Makoto Hasebe ist mit Abstand der wichtigste Spieler unter den Bundesliga-Legionären. Er bringt die nötige Ruhe ins Spiel mit seiner Erfahrung und ist auch zu Recht der Kapitän. Takashi Usami hat sich mit einer starken Rückrunde bei Düsseldorf verdient in den Kader gespielt. Seine Offensiv-Qualitäten hat er auch in der Nationalmannschaft unter Beweis gestellt. Das gleiche gilt für Genki Haraguchi. Hamburgs Gotoku Sakai ist eher ein Backup für die Außenverteidiger-Positionen sowie für das defensive Mittelfeld. Und die Qualitäten von Shinji Kagawa sind ja hinlänglich bekannt.

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Comunioblog: Wer könnte der „Rising Star“ bei Japan werden?

Nakano: Da fällt mit Ryota Oshima von Kawasaki ein. Er spielt als einer der wenigen noch in Japan, ist aber technisch sehr stark und hat eine überragende Übersicht sowie taktisches Verständnis. Er ist ein Sechser, der das Spieltempo bestimmen kann.

Comunioblog: Es gab kurz vor der WM im April noch einen Trainerwechsel. Vahid Halihodzic wurde entlassen, Akira Nishino übernahm. Was war das Problem?

Nakano: Der genaue Grund ist immer noch nicht wirklich klar. Offiziell wurde vom Verband erklärt, dass die Kommunikation zwischen Spieler und Trainer nicht optimal war, was hinterher aber einige Spieler dementiert haben. Ausländische Trainer sollten sich aber auch mit der japanischen Mentalität auseinandersetzen. Denn bei allzu großer Kritik, sei es nur auf sachlicher Ebene, beispielsweise bei Taktik-Fragen, fühlen sich viele Japaner persönlich beleidigt. Das könnte ein Grund für den Rauswurf gewesen sein. Jetzt werden die Karten mit dem erfahrenen Trainer Nishino neu gemischt und er muss in der kurzen Zeit erst die richtige Mischung finden. Das wird nicht einfach.

 

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Autor: Karol Herrmann

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