Mehdi Mahdavikia

Foto: © imago / Roland Mühlanger
Mehdi Mahdavikia spielte viele Jahre für Bochum, den Hamburger SV und Eintracht Frankfurt in der Bundesliga. Im Interview spricht der heutige Co-Trainer der HSV U16 über seinen eigenen Fußballverein im Iran und die ersten Erfolge. Außerdem kritisiert er die Talenteförderung in seiner Heimat und bringt uns den iranischen Kader näher. 

Comunioblog: Herr Mahdavikia, Sie haben 2015 in Teheran ihren eigenen Fußballverein, den FC Kia, gegründet. Wie kam es dazu?

Mehdi Mahdavikia: Die Idee hatte ich schon während meiner aktiven Karriere. Ich möchte damit jungen, talentierten Spielern aus dem Iran die Chance geben, sich Jahr für Jahr mit europäischen Teams zu messen. Der Verein ist in Teheran, aber das Projekt sieht vor, Talente aus dem ganzen Land zu rekrutieren.

Comunioblog: Sie sprachen davon, dass sich die Spieler in Europa messen sollen. Nimmt der Verein an Turnieren teil oder gibt es Freundschaftsspiele?

Mahdavikia: Unser Ziel ist es pro Jahr mindestens einmal mit einer unserer Mannschaften nach Europa zu reisen und uns dort zu messen. Wir haben in diesem Jahr schon an vier Turnieren teilgenommen. Einem U13-Turnier in Frankreich, einem U12-Turnier in der Nähe von München, einem U12-Turnier in Oldenburg und zuletzt in Tirol der Cordial Cup mit unserer U13 und der U15. Dazu kamen ein paar Freundschaftsspiele in Hamburg gegen die U13, U14 und U15 des HSV.

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Comunioblog: Konnten Sie denn schon erste Erfolge erzielen?

Mahdavikia: In diesem Alter geht es uns erst einmal nicht ums Gewinnen. Es geht viel mehr um die Erfahrungen, die die Jungs machen. Aber natürlich freuen wir uns auch, wenn wir erfolgreich sind. Bei unserem ersten Turnier 2015 sind wir gleich mit der U11 ins Finale gekommen. Auf dem Weg dahin haben wir Bayern München, Stuttgart und Leverkusen geschlagen. Das Finale haben wir erst nach Elfmeterschießen gegen 1860 München verloren. Zuletzt haben wir mit der U13 den Cordial Cup gewonnen und dabei Red Bull Salzburg, Hoffenheim, Nürnberg und Stuttgart geschlagen. Die U15 hat es ins Halbfinale geschafft und ist dort nach Elfmeterschießen gegen Mainz ausgeschieden. Aber wie gesagt, es geht in erster Linie nicht um die Erfolge. Die Jungs sollen Erfahrungen sammeln und sehen, wie in den besten Akademien in Europa gearbeitet wird.

Comunioblog: Wie rekrutieren Sie die Spieler?

Mahdavikia: Wir sind mittlerweile richtig bekannt im Iran, weil wir die Einzigen sind, die im Nachwuchsbereich richtig investieren. Daher wollen alle Talente auch zu uns. Wir suchen im ganzen Land und wenn es für sie möglich ist, können sie mit der ganzen Familie nach Teheran kommen oder auch in unserem Internat wohnen. Uns gibt es seit vier Jahren und wir haben mittlerweile mehr als 80 Kinder bei uns und jedes Jahr kommen 20 neue Spieler hinzu. Unser Ziel ist es, irgendwann mit dieser Mannschaft in der ersten iranischen Liga zu spielen. Da sind wir auf einem guten Weg und ich denke, dass wir das in den nächsten fünf Jahren schaffen können.

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Comunioblog: Wie läuft sonst die Jugendarbeit bei den anderen Vereinen im Iran?

Mahdavikia: Die ist eigentlich gar nicht so schlecht. Im Iran leben 80 Millionen Menschen, also ähnlich viele wie in Deutschland, und auch wir haben viele Talente im Land. Die Ausbildung ist aber nicht mit der in Deutschland zu vergleichen, aber wir haben schon talentierte Spieler. Das hat man auch letztes Jahr bei der U17-WM gesehen, als wir 4:0 gegen Deutschland gewonnen haben. Die Jungs haben ein tolles Turnier gespielt, aber sie bekommen keine Chance in der Liga und das ist das Problem. Die Trainer schauen nur auf die Ergebnisse und nicht auf die Entwicklung der Spieler. Das ist bei uns anders. Wir wollen der Jugend eine Chance geben und dann die richtig talentierten Spieler auch in Europa oder woanders unterbringen.

Comunioblog: Sie selbst sind gleichzeitig Co-Trainer der U16 beim HSV. Wie schaffen Sie es, beide Aufgaben unter einen Hut zu bekommen?

Mahdavikia: Das ist schwierig, aber ich habe meinen Bruder und ein Team im Iran, die dort alles organisieren und ich schaue dann, ob das passt. Hier in Deutschland liegt mein Fokus auf die Arbeit beim HSV, aber ich habe natürlich auch immer ein Auge auf mein Projekt im Iran. Einmal im Monat fliege ich dann selbst rüber. Das ist alles nicht so einfach, aber bis jetzt schaffe ich es.

Teil II des Interviews: Mahdavikia über die Stärken des Irans, die beiden Knipser im Sturm und eine kontroverse Entscheidung des Verbands

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Autor: Marc-Oliver Robbers

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