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Nach fünf Spielen stand beim BVB noch die Null. Vier Spieltage später musste Keeper Roman Bürki bereits siebenmal hinter sich greifen. Was ist nur passiert, in der Dortmunder Hintermannschaft?

Es war doch einigermaßen überraschend, dass die Mannschaft von Peter Bosz in den ersten fünf Spielen mit einer weißen Weste vom Platz ging, galt der BVB doch in den letzten Jahren nicht immer als Defensiv-Bollwerk. Die Viererkette um Lukasz Piszczek, Sokratis, Marc Bartra und dem jungen Dan-Axel Zagadou war in den ersten Partien dafür verantwortlich. Die Probleme fingen damit an, als dieses Quartett auseinandergerissen wurde. Heute weiß man aber auch: Gegner wie Wolfsburg, Hertha, Freiburg, Köln und Hamburg waren zu Beginn vielleicht noch nicht die härtesten Konkurrenten der Liga.

Die Not über Außen macht erfinderisch

Das extrem hohe Verteidigen der Bosz-Elf ist vor allem für Konter anfällig, wird der Ball im Mittelfeld nicht mehr so filigran durch die Reihen gepasst, kann die Taktik schnell nach hinten losgehen – im wahrsten Sinne. Problematisch sind aber in erster Linie die Ausfälle: Marcel Schmelzer, Lukasz Piszczek, Raphael Guerreiro, zwischenzeitlich auch Marc Bartra und zuletzt fehlte Sokratis dann auch noch rotgesperrt. Über den ebenfalls lädierten Erik Durm redet schon niemand mehr. 

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Yuya Osako (1. FC Köln, 1.810.000, Sturm): 113: Von seinem Punktekonto der vergangenen Supersaison ist der Stürmer derzeit so weit entfernt, wie sein Arbeitgeber. Während der aber inzwischen immerhin 2 Punkte einsammeln konnte, krebst Osako noch knietief im Minus rum. -7 in acht Spielen machen unterm Strich -0,88 pro Spiel.

 
Vor allem die Not auf den Außenpositionen machte dabei erfinderisch. Die Verpflichtung von Jeremy Toljan nach zwei Spieltagen aus Hoffenheim schien sinnvoll. Nicht nur als kurzfristige Lösung, weil Toljan auf beiden Seiten verteidigen kann, sondern durchaus auch als langfristiger Nachfolger von Lukasz Piszczek. Allein nachweisen konnte Toljan diese Tauglichkeit noch nicht. Er fällt von allen BVB-Verteidigern am meisten ab, sinnbildlich dafür das Spiel gegen RB Leipzig (-2 Punkte). Nach eigenen Angaben, muss er sich erst noch an die komplexe Taktik unter Bosz gewöhnen.

Zagadou in der Mitte traut sich Bosz noch nicht

Viel besser klappte hingegen der Plan, gelernte Innenverteidiger auf den Außenpositionen einzusetzen. Dan-Axel Zagadou machte seine Sache als Linksverteidiger exzellent, sieht man mal vom Supercup gegen Bayern ab. Und Marc Barta macht derzeit eine ordentliche Figur als Rechtsverteidiger, wer hätte das gedacht. Allein Bosz sieht Zagadou, der vor dieser Saison noch ohne jedes Profi-Spiel war, als nominellen Innenverteidiger. Dem Franzosen dort mal eine Chance zu geben, traut er sich dann aber doch nicht. Und so verteidigten gegen Frankfurt tatsächlich Julian Weigl und Neven Subotic innen. Weigl hat in seiner Profikarriere noch nie Innenverteidiger gespielt, Subotic ist ohne jede Spielpraxis. Das Resultat: Nach 2:0-Führung konnte man am Ende mit einem Punkt sogar noch froh sein.

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Hinzu kommen die viel diskutierten Patzer von Torwart Roman Bürki, der sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in Dortmund eigentlich als Nummer 1 etabliert hatte. Seine Schwächen zeigte der Schweizer zwar hauptsächlich in der Champions League, wo er sowohl auf der Linie (mehrere Gegentore in die Torwartecke) als auch im Spielaufbau (fehlerhaftes Passspiel) gehörig patzte. Gegen Frankfurt verschuldete er am vergangenen Wochenende dann einen unnötigen Elfmeter. Trotz der jüngsten Vertragsverlängerung sollte es nicht wundern, wenn Watzke und Co. in der nächsten Saison eine zumindest gleichwertige Alternative (Trapp, Karius, Horn) präsentieren. 

Bartra wohl wieder als Rechtsverteidiger

Fragt sich, wie es jetzt weitergeht. Mit Marcel Schmelzer sollte zumindest der etatmäßige Linksverteidiger bald wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Das Experiment mit Weigl und Subotic in der Mitte wird es – jede Wette – nie wieder geben. Stattdessen sollten Sokratis und Bartra in der Mitte verteidigen. Eine eingespieltes Duo mit einer guten Kombination aus Zweikampfstärke und starkem Spielaufbau. Am schwersten wiegt jedoch der Ausfall von Piszczek, deshalb gibt es auf der rechten Seite die aktuell größte Baustelle. Toljan müsste sich enorm steigern, um sich bis zum Winter hier als Stammspieler zu etablieren. Weitaus wahrscheinlicher erscheint da das zuletzt gelungene Experiment mit Bartra auf der rechten Seite. Ömer Toprak, zuletzt auch nicht immer unumstritten, würde dann in der Mitte gemeinsam mit Sokratis verteidigen. 

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Autor: Karol Herrmann

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