Monaco ist zurück in der Ligue 1, hat 140 Millionen Euro für Neuzugänge ausgegeben und würde im nächsten Jahr gerne Champions League spielen. Können die Monegassen mit Meister PSG mithalten?  

Als Aufsteiger Spieler von Weltformat verpflichten, dafür eine dreistellige Millionensumme investieren, das internationale Geschäft als Saisonziel ausgeben und mit der Meisterschaft liebäugeln – gestatten: Dies ist das Projekt Monaco. Der Verein ist nach zwei Jahren im französischen Fußball-Unterhaus als Meister wieder in die Ligue 1 aufgestiegen und plant nun den ganz großen Wurf.

Dieser soll in erster Linie mit Hilfe von Weltstars gelingen. Also ging der russische Investor Dmitri Rybolowlew – seit Dezember 2011 gehören ihm zwei Drittel der Vereinsanteile – in der Vorbereitung auf die neue Saison mit locker sitzendem Scheckheft auf Einkaufstour.

Unter anderem im Warenkorb: Radamel Falcao (27, für 60 Millionen Euro von Atlético Madrid) sowie das Duo James Rodriguez und Joao Moutinho (22 und 26, im Paket für 70 Millionen Euro vom FC Porto). Ergänzt werden die Neu-Monegassen durch Éric Abidal (33, ablösefrei vom FC Barcelona), Ricardo Carvalho (35, ablösefrei von Real Madrid), Jérémy Toulalan (29, für 5 Millionen Euro vom FC Malaga) und einige weitere Spieler, teils auch aus der eigenen Jugend. Geschätzter Gesamtwert des Einkaufs: 140 Millionen Euro. Zur Kasse, bitte!

Wettrüsten der „Kriegsmaschinen“
Trainer des Star-Ensembles ist der Italiener Claudio Ranieri, als Coach unter anderem schon bei Inter Mailand, Juventus Turin und dem FC Chelsea aktiv gewesen. Er steht nun vor der Aufgabe, das Maximum aus seinem doch sehr zusammen gewürfelten Kader heraus zu holen. Französische Medien munkeln, er sitze – wenn der Erfolg zu Beginn der Saison ausbleibt – auf einem wackligen Stuhl.

Das Projekt Monaco ist freilich eine Kampfansage an Meister Paris Saint-Germain, seines Zeichens ebenfalls Profiteur eines Investoren-Bündnisses aus Katar. Auf das Säbelrasseln des Klubs aus dem Fürstentum reagierten die Verantwortlichen in der Hauptstadt entsprechend: Die AS Monaco gab für Falcao 60 Millionen Euro aus – eine bis dahin nie gezahlte Summe im französischen Fußball. Also setzten die Pariser einen drauf und legten dem SSC Neapel für Edison Cavani 64 Millionen Euro auf den Tisch.

Insgesamt sollen die beiden Klubs im Sommer zusammen 260 Millionen Euro in Neuzugänge investiert haben. In der Liga löst das nicht gerade Heiterkeit aus. Luis Anigo, Sportdirektor bei Olympique Marseille, sprach gegenüber französischen Medien von „Kriegsmaschinen“. Noel de Graet, Chef des Französischen Fußballverbandes (FFF), findet das Wettrüsten zwischen Monaco und Paris „beunruhigend“. Die Fußball-Zeitung „L’Équipe“ bezeichnete die beiden Vereine jüngst – etwas polemisch – als „menschenfressende Ungeheuer“.

Monaco und Financial Fairplay
Auch in deutschen Medien wurde der Fall Monaco zuletzt besprochen. Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer bei Borussia Dortmund, stößt der Kaufrausch der AS offenbar sauer auf. Gegenüber „Sport Bild“ äußerte er sich: „Ich habe einfach ein Problem mit Klubs wie Monaco, die kaum Umsätze einfahren und auf dem Transfermarkt dennoch unglaubliche Summen investieren.“

Die Bilanz des Aufsteigers gibt ihm Recht: Laut „transfermarkt.de“ haben die Monegassen bislang 1,5 Millionen Euro durch Transfers eingenommen – dem entgegen stehen Ausgaben in Höhe von 146 Millionen Euro! Watzke setzt darauf, dass es solche Fälle nicht mehr geben wird, sobald das Financial Fairplay in Kraft tritt; die UEFA-Regulierung soll ab 2015 greifen. Vereine müssen dann nachweisen, dass ihre Ausgaben der letzten drei Jahre durch Einnahmen mindestens gedeckt werden – ansonsten drohen Strafen wie der Ausschluss aus dem internationalen Wettbewerb.

Von Seiten des französischen Ligaverbands (LFP) gab es einen Versuch, dem Projekt Monaco den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Idee: Alle Vereine der Ligue 1 sollten ihren steuerlichen Sitz ab der Saison 2014/2015 in Frankreich haben – ein schwerer Schlag gegen die Monegassen, denn im Fürstentum werden Einkommen und Vermögen nicht versteuert. Investor Rybolowlew hat gegen das Vorhaben protestiert, er beruft sich auf ein Abkommen, das monegassischen Betrieben die Teilhabe am französischen Markt ermöglicht.

Indes: Nicht jeder sieht in den Rauchzeichen aus Monaco und Paris eine Bedrohung. Der OSC Lille-Spieler Franck Béria zum Beispiel wurde von mehreren Quellen mit einem positiven Statement zitiert: „Die Kritiker sind doch scheinheilig! Wir haben uns immer beklagt, dass es bei uns keine Stars gibt. Die kommen ja nicht für Peanuts.“ Und Bastia-Coach Frédéric Hantz glaubt, dass die Liga von den dicken Fischen profitieren kann: „PSG und Monaco werden die anderen Teams stärker machen.“

Champions League? Dann eben nächstes Jahr!“
Dass das Projekt sportlich funktionieren wird, bezweifelt in Monaco so recht niemand. Neuzugang James Rodriguez jedenfalls richtet seinen Blick ausschließlich nach oben, dem Fußball-Portal „Goal.com“ sagte er: „Wir haben eine gute Mannschaft und können die Liga gewinnen.“ Dass er auf die Champions League für mindestens eine Saison verzichten muss, stört den Kolumbianer demnach nicht: „Champions League kann ich auch im nächsten Jahr noch spielen.“

Die Testspiele der Monegassen sprechen derweil keine eindeutige Sprache. Gegen Tottenham Hotspur gewann Monaco zwar mit 5:2 – Star-Neuzugang Falcao traf und machte ein Bombenspiel. Gegen den FC Augsburg setzte es dagegen eine 0:1-Niederlage; Fun-Fact für Romantiker: Torschütze für Augsburg war ausgerechnet Fußball-Malocher Sascha Mölders. Und auch gegen Zweitligist Fortuna Düsseldorf musste sich die AS Monaco mit 2:3 geschlagen geben.

Andreas Wolf, in der Bundesliga für den 1. FC Nürnberg und Werder Bremen aktiv, wechselte in der Winterpause 2011/2012 nach Monaco und war Kapitän der Aufstiegs-Mannschaft. Wegen seiner Russisch-Kenntnisse gilt er als Vertrauter des Investors Rybolowlew. In einem Interview mit „11Freunde“, angesprochen darauf, ob Monaco nun Paris Konkurrenz mache, äußert sich Wolf verhalten: „Wir werden Zeit brauchen, um dieses Niveau zu erreichen. Das war bei Paris auch der Fall. Alles muss sich erst einmal finden. Aber wir haben die Qualität, es zu schaffen. In absehbarer Zeit wollen wir vorne mitmischen.“ Wie seine eigene Rolle im Star-Ensemble dabei aussehen wird, bleibt noch abzuwarten. Dem „Kicker“ sagte der 31-Jährige: „Ich habe meine Qualitäten, ich bin ein Kämpfertyp.“

Am Samstag, 10. August, startet die AS Monaco auswärts bei Girondins Bordeaux (Vorjahres-Siebter) in die neue Spielzeit. In der Woche darauf empfangen die Monegassen Montpellier HSC (Vorjahres-Neunter) und an Spieltag drei kommt der FC Toulouse (Vorjahres-Zehnter). Das direkte Duell gegen den vermeintlichen Meisterschafts-Konkurrenten steigt am 6. Spieltag (22. September) im Pariser Parc des Princes. Spätestens dann wird sich zeigen, wer im Wettrüsten die besseren „Kriegsmaschinen“ auf seiner Seite hat.

Autor: Marcus Erberich

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