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Der SV Darmstadt 98 belegt erstmals seit dem 1. Spieltag wieder den Relegationsplatz – ein Fakt, der unter Dirk Schuster im vergangenen Jahr kein einziges Mal der Fall war. Doch nicht erst seit dem erschreckend schwachen Auftritt gegen den HSV wird klar: Bei den Lilien stimmt’s hinten und vorne nicht. Nun zog man die Reißleine!

Eine Niederlage mit zwei Toren Unterschied schmerzt. Vor allem, wenn man einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf unterliegt. Jetzt gehört Verlieren im Fußball genauso dazu wie das Gewinnen. Allerdings kommt es wie so oft auf die Art und Weise an.

In der vergangenen Saison verlor der SV Darmstadt 98 ab 13. Spieltag ebenfalls mit zwei Toren gegen einen Gegner, der sich ebenfalls in den tabellarischen Gefilden der Lilien aufhielt. Damals verlor Darmstadt mit 1:3 in Ingolstadt.

Doch anders als im November 2015, war die Niederlage gegen den HSV erschreckend. Acht Zähler sammelte die Elf mit Norbert Meier bislang erst, wie diese zustande kamen, wissen zudem nicht alle Beteiligten am Böllenfalltor. Vor einem Jahr hatte der Sensationsaufsteiger unter Dirk Schuster mit seiner altbekannten Art schon 14 Zähler geholt, dabei sogar ein Remis beim BVB erkämpft.

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Aktuell kann man den Südhessen wenig bis nichts zutrauen. Lebte die Truppe in der Vergangenheit stets von ihrer Homogenität, so wirken die Auftritte in dieser Spielzeit diesbezüglich komplett konträr. Darmstadt spielt zwar immer noch den einfachen und ekligen Fußball, doch der Teamspirit ist vollends verflogen. Daher zog das Präsidium um Rüdiger Fritsch am Montagmittag die Reißleine und entließ nicht nur Meier, sondern auch Sportdirektor Holger Fach.

Der Stamm konnte gehalten werden

Ob der Negativtrend jetzt ausschließlich an der Personalie Meier gelegen hat, werden die nächsten Wochen am Böllenfalltor zeigen. Fest steht nur, dass Meier ein stabiles personelles Gebilde ohne Grund einstürzen ließ. Natürlich verließen mit Christian Mathenia, Konstantin Rausch, Sandro Wagner und Co. eminent wichtige Stützen den Verein, doch mit Marcel Heller, Aytac Sulu, Jerome Gondorf und Peter Niemeyer konnte man dennoch wichtige Spieler halten. Doch der Coach setzte nicht auf die arrivierten Kräfte.

So erzielte Kapitän Sulu in der vergangenen Spielzeit zu diesem Zeitpunkt schon 55 Punkte, aktuell steht der Innenverteidiger bei null Zählern. Auch Routinier Niemeyer (-5), unter Schuster noch über jeden Zweifel erhaben, holte damals 28 Punkte – dabei ist der Mittelfeldspieler wahrlich keine Punkte-Monster. Meier aber sägte den 33-jährigen zwischenzeitlich ab, erst am vergangenen Spieltag stand Niemeyer erstmals seit dem 5. Spieltag wieder in der Startelf. Die fehlende Spielpraxis war ihm gegen den HSV anzumerken.

Ähnlich sieht es bei Flügelflitzer Heller aus. Der Sprinter holte letztes Jahr bis zum 13. Spieltag überragenden 60 Zähler, in dieser Saison kommt er gerade einmal auf ganz vier Pünktchen. Auch hier schaffte es Meier, einen funktionieren Spieler durch verschiedene Positionswechseln dessen Selbstvertrauen zu nehmen.

Gondorfs Ausbootung mit Geschmäckle 

Noch gravierender ist die Entwicklung bei Jerome Gondorf. Im Sommer stand der Denker und Lenker im Lilien-Spiel eigentlich vor dem Abflug, entschied sich dann aber doch, den Weg mit den Darmstädtern weiter zu gehen und verlängerte seinen Vertrag.

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In dieser Spielzeit war Gondorf zwischenzeitlich der einzige Akteur, der Bundesligaformat verkörperte (17 Punkte) und trug in Abwesenheit von Sulu sogar die Kapitänsbinde. Doch seit zwei Spielen gehörte der 28-Jährige nicht mehr zum Kader. Offiziell sei man mit den Leistungen Gondorfs nicht zufrieden, was doch sehr verwundert. Intern hört man allerdings andere Stimmen.

Ein weiterer Punkt ist zudem, dass die Neuzugänge noch nicht so eingeschlagen haben, wie man sich das erhofft hatte, diese Kritik muss sich Fach gefallen lassen. Auch, weil man bei den Neuzugängen auf Spieler setzte, die keine bis wenig Erfahrung in der Bundesliga vorzuweisen hatten. Ein Kriterium, dass unter Schuster höchste Priorität besaß.

Wenn man die zwei Siege betrachtet, die der SV Darmstadt 98 in dieser Saison einfuhr, kann einem tatsächlich angst und bange werden. Der Triumph im Hessenderby gegen die Eintracht ist mit glücklich noch untertrieben beschrieben und auch der Erfolg gegen den VfL Wolfsburg am 6. Spieltag darf man nach den aktuellen Entwicklungen nicht überbewerten. Insofern war die Entlassung von Meier und Fach der einzig logische Schritt.

Denn das, was die Lilien zuletzt angeboten hatten, schmeckte stark nach 2. Liga. Wirkliche Comunio-Monster waren die Akteure der Darmstädter zwar noch nie, aber insgesamt 61 Zähler für die gesamte Truppe? Das ist katastrophal, wenn man bedenkt, dass inzwischen selbst der HSV schon 87 Punkte gesammelt hat…

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Autor: Florian Schimak

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